Tubuläre Brust – OP, Behandlung und Kosten

Bei einer tubulären Brust handelt es sich um eine Fehlbildung der Brust. Sie wird chirurgisch korrigiert und meist mit einer Brustvergrößerung verbunden. Viele Frauen spüren aufgrund der Brustdeformation einen besonders großen Leidensdruck, dennoch sind Krankenkassen in der Regel nicht verpflichtet, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen.

Was ist eine tubuläre Brust?

BrustverkleinerungDie tubuläre Brust, wegen ihrer spezifischen Form im Allgemeinen auch als Schlauch- oder Rüsselbrust bekannt, ist eine der häufigsten Fehlbildungen der weiblichen Brust. Infolge einer Wachstumsstörung der Brustdrüsen wächst der untere Teil der Brust schwächer als der obere Brustabschnitt, wodurch die schlauchartige Form entsteht. Ebenfalls markant ist der stark ausgeprägte Brustwarzenvorhof.

Wann ist eine OP notwendig?

Voraussetzung für die Operation bei einer tubulären Brust ist die Überzeugung der Frau, dass es die richtige Entscheidung ist. Denn manchmal wünscht sich nicht die Betroffene selbst die tubuläre Brust OP sondern wird von ihrem Partner zu diesem Eingriff gedrängt. Vor allem junge Frauen können unter der Fehlbildung leiden, weshalb eine Operation in diesen Fällen schon frühzeitig durchgeführt werden kann. Im Beratungsgespräch wird der Arzt die konkreten Beweggründe der Frau, ihre tubulären Brüste operieren zu lassen, genau hinterfragen und gemeinsam mit ihr über Lösungen und mögliche Alternativen zur Operation nachdenken.

Tubuläre Brust: OP und Behandlung

Zur Korrektur einer tubulären Brust stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die abhängig von den anatomischen Voraussetzungen der Brust gewählt werden. Dabei sind vor allem die Ausprägung der Deformität und der Unterschied zwischen beiden Brüsten der Frau zu berücksichtigen. Gewöhnlich werden auch mehrere Verfahren kombiniert, bspw. eine Bruststraffung in Verbindung mit einer Brustvergrößerung. Die Brustvergrößerung kann durch das Einsetzen von Implantaten oder das Injizieren von Eigenfett erreicht werden. Gewöhnlich werden bei einer tubulären Brust OP auch die Brustwarzenvorhöfe verkleinert, weil sie bei diesem Krankheitsbild meist stark ausgeprägt sind.

Bei der Bewertung einer tubulären Brust wird zwischen vier Typen unterschieden.

  • Typ 1: fehlender unterer Quadrant
  • Typ 2: zwei untere Quadranten fehlen, ausreichender Hautmantel
  • Typ 3: zwei untere Quadranten fehlen, unzureichender Hautmantel
  • Typ 4: geringe oder fehlende Ausprägung aller vier Quadranten

Brustvergrößerung bei tubulärer Brust

Eine gängige Methode zur Behandlung einer tubulären Brust ist eine Brustvergrößerung mit Implantaten. Dafür wird meist unterhalb der Brust in die Unterbrustfalte ein vier bis fünf Zentimeter langer Schnitt gesetzt, durch den das Implantat in die Brust eingeführt wird. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einen Zugang über die Achselhöhle der Patientin zu setzen oder entlang der Brustwarze zu schneiden. Der Schnitt in die Unterbrustfalte hat sich zur Brustvergrößerung allerdings bewährt, weil damit die wenigsten Komplikationen einhergehen und der Chirurg besser arbeiten kann. Zudem ist die Narbe später kaum zu erkennen, weil sie direkt in der Falte unterhalb der Brust sitzt.

In besonders schweren Fällen bieten einige Ärzte auch eine komplett submuskuläre Brustvergrößerung an. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Verfahren. Im Unterschied zur subpektoralen Brustvergrößerung werden neben dem großen Brustwandmuskel noch drei weitere Muskeln genutzt, um eine geeignete Höhle für das Implantat zu schaffen. Diese Tasche dient anschließend als eine Art “innerer BH”, mit dem das Brustgewebe stabilisiert wird. Das Implantat ist komplett in dieser Muskeltasche eingeschlossen, weshalb es später weder gesehen noch gefühlt werden kann.

Bruststraffung u. Brustverkleinerung

Bruststraffung bei tubulärer Brust

Bei einer Bruststraffung wird Hautgewebe entfernt, um die gewünschte Brustform zu erreichen. Meist wird im Rahmen einer Bruststraffung auch eine Brustvergrößerung durchgeführt, denn vor allem kleine Brüste mit wenig Drüsengewebe wirken nach einer Bruststraffung nochmals etwas kleiner als vorher. Die Brustvergrößerung kann gleichzeitig mit der Bruststraffung durchgeführt werden oder findet einige Monate später statt. Die Entscheidung trifft der Arzt gemeinsam mit der Patientin. Die Bruststraffung bei einer tubulären Brust dauert etwa 90 bis 120 Minuten, kann mitunter aber auch länger dauern. Die Behandlung findet stationär statt, gewöhnlich bleibt die Patientin ein bis zwei Nächte zur Kontrolle im Krankenhaus oder in der Klinik.

Tubuläre Brust: Kosten der Operation

Bevor sich eine Patientin für die Operation ihrer tubulären Brüste entscheidet, sollte sie bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob eine Kostenübernahme möglich ist. Zwar werden die meisten Brustoperationen nicht mehr übernommen, da sie vor allem ästhetischer Natur sind, in besonders schwerwiegenden Fällen, insbesondere bei körperlichen oder psychischen Problemen, könnte eine Kostenübernahme für eine tubuläre Brust möglich sein. Patientinnen müssen beachten, dass sie sich vor der Behandlung an die Krankenkasse wenden und das Angebot eines Arztes abgeben. Idealerweise fügen sie auch Gutachten über körperliche oder psychische Beschwerden hinzu, die mit der tubulären Brust verbunden sind.

Die Kosten zur Behandlung einer tubulären Brust richten sich nach dem Aufwand und der Beschaffenheit der Brust. Auch die Wahl des Arztes spielt eine wichtige Rolle, denn einerseits wird die Operation bei tubulären Brüsten /Schlauchbrüsten nicht von jeder Klinik durchgeführt und andererseits sind Behandlungen bei erfahrenen Operateuren meist kostenintensiver. Grundsätzlich sollten Frauen mit Kosten für die tubuläre Brust OP ab 6.000 Euro rechnen. Wenn eine Bruststraffung mit einer Brustvergrößerung kombiniert wird, können die Kosten entsprechend höher ausfallen.

Risiken bei der Operation von tubulären Brüsten

Für die Operation einer sog. Schlauch- oder Rüsselbrust wird meist eine Bruststraffung in Verbindung mit einer Brustvergrößerung durchgeführt. Wesentliche Risiken sind mögliche Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Auch Verrutschen der Implantate ist möglich, wenngleich das Risiko ausgesprochen gering ist. Grundsätzlich hat jede Patientin die Möglichkeit, das Risiko der Operation zu verringern, indem eine regelmäßige Narbenpflege betrieben und auf die postoperative Versorgung geachtet wird. Dazu gehort auch, einen speziellen Stütz-BH für die Dauer von vier bis sechs Wochen regelmäßig zu tragen – Tag und Nacht. Dadurch wird das Narbengewebe entlastet und die Wunde kann besser heilen. Zudem sollte für zwei bis drei Monate auf Sport verzichtet werden, denn vor allem Sportarten wie Joggen oder solche, bei denen der Oberkörper stark beansprucht wird, können das Brust- und frische Narbengewebe belasten.

Sie haben Fragen zur Behandlung einer tubulären Brust oder denken über eine Brustoperation nach? Bei uns finden Sie zahlreiche Ärzte für ästhetisch-plastische Chirurgie im Überblick. Rufen Sie uns einfach an oder schreiben Sie uns. Wir beraten Sie gern – kostenlos und unverbindlich!

Experteninterview mit Dr. med. Sebastian Dunda, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie:

Was ist eine tubuläre Brust?

Dr. Dunda: „Die tubuläre oder auch tuberöse Brust ist eine angeborene Fehlbildung der weiblichen Brust. Aufgrund von ‚Verwachsungen‘ des festen Bindegewebes (‚Faszien’) mit Teilen des Brustwarzenvorhofs (‚Areola’) wird die Entwicklung der Brustdrüse und somit des Brustvolumens behindert. Oftmals betrifft es beide Brüste in gleicher Weise, es kann jedoch auch eine Brust deutlich stärker betroffen sein als die andere. Entsprechend der Ausprägung dieser Fehlentwicklung wird die tubuläre Brust in unterschiedliche Typen eingeteilt.“

Wie sieht eine tubuläre Brust aus?

Dr. Dunda: „Die Bezeichnung tubulär kommt aus der lateinischen Sprache (‚tubulus‘=Rohr) und bedeutet letztlich ‚schlauchförmig“. Und genauso sieht typischerweise auch eine tubuläre Brust aus. Häufig erscheint die obere Hälfte der Brust normal geformt, wird dann aber in der unteren Brusthälfte schmalförmiger und untypisch klein. Ein Hauptmerkmal ist zudem, dass der Abstand von der Brustwarze zur Unterbrustfalte deutlich geringer ist als er es normalerweise sein sollte. Dies führt dann zu dem Eindruck, dass die tubuläre Brust über die Unterbrustfalte herüberhängt. Die Ursache für die optisch zu hohe Unterbrustfalte ist bis heute nicht sicher geklärt. Allerdings geht man von einer Fehlentwicklung des normalerweise die Brust stabilisierenden Bindegewebes aus, wodurch es zu einer Art Einschnürung im Bereich des Brustwarzenvorhofes kommt und so die Ausbildung besonders der unteren Brusthälfte einschränkt.

Eine weitere Bezeichnung der tubulären Brust ist, wie oben beschrieben die ‚tuberöse‘ Brust. Auch dies lässt sich aus der lateinischen Sprache herleiten und bedeutet Knospe. Hiermit ist die ausgeprägteste Form dieser Brustfehlbildung gemeint, bei der nicht nur die untere Hälfte, sondern auch die obere Brusthälfte in ihrem Volumen und so der Form deutlich vermindert ist. Optisch führt das zu einer sehr kleinen, ‚knospenartigen‘ Brust.

In beiden Fällen, der ‚schlauchförmigen‘ und auch der ‚knospenartigen‘ Brust, ist der Abstand zwischen der linken und rechten Brust meistens deutlich größer als bei einer normal entwickelten Brust.“

Welche Typen tubulärer Brüste gibt es?

Dr. Dunda: „Es gibt unterschiedliche Klassifikationen und Einteilungen zur ‚Typisierung‘ der tubulären Brust. Die bekannteste Einteilung erfolgt nach Grolleau wie folgt:

  • Typ 1: fehlender unterer medialer Quadrant
    (‚vermindertes Volumen an der Brustinnenseite unten‘)
  • Typ 2: Fehlen beider unterer Quadranten
    (‚vermindertes Volumen der gesamten unteren Brusthälfte‘)
  • Typ 3: Hypoplasie aller Quadranten
    (‚vermindertes Volumen in der gesamten Brust‘/‚knospenartige Form‘).“

Welche OP empfehlen Sie bei einer tubulären Brust?

Dr. Dunda: „Es gibt nicht ‚die eine richtige Operationstechnik‘ für alle Patienten zur Behandlung der tubulären Brust. Aufgrund der unterschiedlichen Ausprägung der Fehlentwicklungen und den oben beschriebenen unterschiedlichen Typen muss immer individuell für jede Patientin entschieden werden, welche Art von Korrektur-Operation durchgeführt werden sollte.

Ist die Ausprägung der Brustfehlbildung nur sehr gering und betrifft wie bei Typ 1 nur den inneren Bereich der unteren Brusthälfte, dann wäre unter Umständen eine Korrektur mit Eigenfett-Transfer (‚Lipofilling‘) eine eher unkomplizierte und einfache Operation.

Sobald jedoch die komplette untere Brusthälfte (‚Typ 2’) oder mehr (‚Typ 3’) betroffen ist, der Abstand von der Brustwarze zur Unterbrustfalte verringert ist und die vorhandene Brustdrüse mit der Areola über diese Unterbrustfalte herüberhängt, ist eine komplexere Korrektur-Operation erforderlich. Bei dieser Operationstechnik ist das Ziel, die Verwachsungen, oder besser gesagt die Einschnürungen des Bindegewebes im Bereich der Areola zu lösen und gleichzeitig das vorhandene Brustdrüsengewebe gleichmäßiger zu verteilen. Diese Technik wird auch ‚Unfurling‘ genannt und erfolgt in der Regel über einen Hautschnitt am Übergang des Brustwarzenvorhofs zur normalen Haut (‚periareolär‘). Dabei werden die ‚verwachsenen‘ Gewebestränge und die Faszie gelöst und das Brustdrüsengewebe partiell durchtrennt, um es dann weiter nach unten bewegen zu können. Dies führt dann zu einer volleren unteren Brusthälfte und somit gleichzeitig auch zu einer tieferen Unterbrustfalte.

Reicht ein ‚Lipofilling‘ oder das beschriebene ‚Unfurling‘ nicht aus, um die gewünschte Brustform und Brustgröße zu erzielen, ist zusätzlich auch die Anwendung von ‚Brustimplantaten, am ehesten in der ‚dual-plane-Technik‘, möglich.“

Über Dr. med. Sebastian Dunda:

Dr. med. Sebastian DundaNach seinem Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie an der Harvard Medical School in Cambridge erlangte Dr. med. Sebastian Dunda an der Univer-sitätsklinik in Aachen den Facharzttitel für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Bereits während seines Studiums war Dr. Dunda an verschiedenen Forschungsprojekten (u.a. an der National University of Singapore) beteiligt. Außerdem absolviert Dr. Dunda seit seiner Facharztausbildung Hospitanzen im In- und Ausland.

Zudem ist Dr. Dunda Mitglied einer wohltätigen Organisation für Plastische Chirurgen: Die INTERPLAST-Germany e.V. engagiert sich in Krisen- und Kriegsgebieten mit lebensnotwendigen Operationen. Sein letzter Einsatz führte ihn im Februar 2018 nach Myanmar.

Um seine hohen Qualitätsstandards fortwährend aufrecht halten zu können, bildet sich Dr. med. Sebastian Dunda regelmäßig weiter.


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