Kapselfibrose bei Brustvergrößerung

Die Kapselfibrose (oder Kapselkontraktur) gehört zu den häufigsten Komplikationen nach einer Brustvergrößerung. Während des natürlichen Heilungsverlaufs nach einer Brust-OP bildet sich üblicherweise eine harmlose Kapsel um das Implantat. Bei der Kapselfibrose handelt es sich jedoch um eine überschießende Kapselbildung. Diese kann zu langfristigen Beschwerden und Formveränderungen führen. Um eine Kapselkontraktur in der Brust zu vermeiden, gibt es verschiedene Methoden, die nachfolgend aufgeführt sind.

Kapselfibrose – Was ist das?

Eine Kapselfibrose in der Brust ist eine Reaktion des Immunsystems und gehört zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Brustvergrößerung mit Implantaten. Als natürliche physiologische Reaktion bildet sich im normalen Heilungsverlauf Bindegewebe um das Brustimplantat, da dieses als Fremdkörper wahrgenommen wird. Bei einer Kapselfibrose jedoch handelt es sich um eine krankhafte Vermehrung des Bindegewebes. Die Gewebskapsel zieht sich immer enger um das Implantat zusammen und verhärtet sich. Das kann zu einer Deformierung der Brustimplantate führen. Je nach Schweregrad gehen auch Schmerzen mit der Kapselkontraktur einher.[1]

Ursachen einer Kapselfibrose nach einer Brustvergrößerung

Die häufigste Ursache für eine Kapselfibrose ist eine zu große Beschädigung des Brustgewebes während der Brustvergrößerung. Auch Einblutungen in die Brust und die Lage des Implantats können mögliche Ursachen für Kapselfibrosen nach dem Eingriff sein. Um Einblutungen zu vermeiden, verwenden einige Operateure Drainagen, die nach wenigen Tagen entfernt werden. Über diese Drainagen können Wundflüssigkeit und Blut abfließen. Dies beschleunigt die Wundheilung. Die Kontamination des Implantats mit Hautkeimen oder Bakterien kann die Entstehung einer Kapselkontraktur ebenfalls begünstigen. [2]

Symptome einer Kapselfibrose

Die Symptome einer Kapselfibrose sind nicht immer eindeutig, da die Heilung nach einer Brustvergrößerung mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Während dieser Zeit kann es zu Schmerzen und Spannungen in der Brust kommen, weshalb viele Frauen befürchten, bei ihnen könnte sich eine Kapselkontraktur gebildet haben. Grundsätzlich gibt es verschiedene Symptome, die auf eine Kapselfibrose hindeuten:

  • Schmerzen in der Brust
  • Verspannungen und (tastbare) Verhärtungen
  • Verformung der Brust oder des Implantats

Symptome einer Kapselfibrose nach Baker

Baker unterteilt die Symptome einer Kapselfibrose in vier Stufen. Anhand dieser Baker-Stufen kann die Schwere der Erkrankung festgestellt werden. Diese kann von einer leichten Verhärtung ohne weitere sicht- und tastbare Veränderungen (Grad II) bis zu einer sichtbaren und teilweise schmerzhaften Verformung der Brust (Grad IV) reichen: [3]

  • Grad I – normaler Zustand: Das Implantat lässt sich nicht ertasten und entspricht in seiner Konsistenz dem Brustdrüsengewebe. Die Brust ist weich und sieht natürlich aus.
  • Grad II – leichte Kapselfibrose: Die Brust fühlt sich geringfügig verhärtet an. Das Implantat ist fühlbar, aber nicht sichtbar.
  • Grad III – starke Kapselfibrose: Die Brust ist deutlich verhärtet. Das Implantat ist fühl- und sichtbar.
  • Grad IV – ausgeprägte Kapselfibrose: Die Brust ist stark verhärtet und schmerzt. Das Implantat ist disloziert (verschoben).

Kapselfibrose vermeiden

Häufig handelt es sich bei einer Kapselfibrose in der Brust um eine lokale Komplikation, die sich auch mit modernen Implantationstechniken und hochwertigem Material nicht vermeiden lässt. Nichtsdestotrotz ist die Zahl der Kapselkontrakturen in den letzten Jahren zurückgegangen. Grund dafür waren folgende Faktoren:

  • Einsatz texturierter Implantate oder
  • Einsatz glatter Implantate mit Implantatmassage
  • submuskuläre Platzierung der Implantate
  • Verwendung von Implantaten, die mit physiologischer Kochsalzlösung gefüllt sind
  • Minimal-Touch-Methode, um möglichst wenig Brustgewebe zu verletzen

Um dem Entstehen dieser Komplikation nach einer Brustvergrößerung entgegenzuwirken, erscheint alle paar Jahre ein neues Implantat auf dem Markt, das Kapselfibrosen verhindern soll. Doch bisher hat sich keine Methode bewährt, um diese vollständig zu vermeiden.[4]

Vorsichtsmaßnahmen während der Operation

Um das Risiko einer Kapselfibrose in der Brust zu verringern, können schon während der Operation einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. In erster Linie sollte der intraoperativen Kontamination des Implantatlagers vorgebeugt werden. Hierfür ist entscheidend, mittels Abdeckungen und Hautdesinfektion für ein absolut steriles Operationsgebiet zu sorgen. Der oder die ChirurgIn sollte die Verpackung erst öffnen, kurz bevor das Implantat eingesetzt wird, und dieses möglichst als einzige Person berühren. Postoperativ ist es dringend empfohlen, eine sterile Behandlung der Wunden und der Drainagenausleitungen zu gewährleisten.[5]

Behandlung der Kapselfibrose

Wenn sich bei einer Patientin nach einer Brustvergrößerung eine Kapselfibrose gebildet hat, muss nicht zwangsläufig das Implantat gewechselt werden. Häufig ist eine Behandlung mit schonenderen Mitteln möglich. Dazu gehört bspw. die endoskopische Kapsulotomie, auch als Fibrosenschnitt bezeichnet. Indem das vernarbte und zusammengezogene Kapselgewebe eingeschnitten wird, schafft der Operateur wieder mehr Platz für das Brustimplantat. Darüber hinaus ist die Behandlung der Kapselfibrose auch mit Ultraschall möglich. Die Wellen wirken auf das Brustgewebe ein und fördern die Durchblutung, wodurch auch die Sauerstoffversorgung verbessert und das Gewebe weicher wird.

Operative Korrektur bei einer Kapselfibrose

Sollte die Kapselfibrose stark ausgeprägt sein, ist ein Implantatwechsel notwendig. Dies gilt insbesondere für die Grade III und IV, bei denen bereits eine starke Verhärtung und Verformung der Brust vorliegt. In diesen Fällen werden das Kapselgewebe und wenn nötig auch das Brustimplantat entfernt, das durch ein neues Implantat ersetzt wird.[6]

Bei überhöhtem Druck der Kapselkontraktur auf das umliegende Gewebe kann es zu einem Gewebeschwund kommen. Auch in diesem Fall ist eine operative Korrektur unabdingbar, bei der die Kapsel vollständig entfernt wird. Ausnahmen stellen Partien dar, an denen das umliegende Weichteilgewebe zu stark ausgedünnt ist. Um einer erneuten Kapselfibrose vorzubeugen und die ausgedünnte Gewebsschicht zu verbessern, ist hier der Einsatz von ADM (azelluläre Dermis) eine bewährte Methode. Dabei handelt es sich um eine dünne Haut, die als Abdeckung von Implantaten zum Einsatz kommt oder auf ausgedünnte Hautmantel gelegt wird. Die ADM wird auf eine besonders gut durchblutete Stelle aufgenäht und kann verhindern, dass eine weitere Kapselfibrose auftritt.[7]

Häufigkeit einer Kapselfibrose und Kostenübernahme

Die Angaben über die Wahrscheinlichkeit einer Kapselfibrose nach einer Brustoperation schwanken. Je nach Lage und Beschaffenheit der Brustimplantate variiert das Risiko für eine Kapselkontraktur. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) hat etwa jede fünfte Frau nach einer Brustvergrößerung eine Kapselfibrose.[8] Bei modernen Implantaten mit einer rauen, also texturierten Oberfläche, wird die Häufigkeit mit 6 bis 10 Prozent angegeben.

Die Kosten einer Implantatentfernung belaufen sich auf ca. 4.000 Euro, während ein Implantatwechsel zwischen 5.000 und 7.000 Euro kostet. Die Kosten der Behandlung einer Kapselfibrose werden von der Krankenkasse entweder teilweise oder gar nicht übernommen.

 

FAQ Kapselfibrose

Experteninterview mit Dr. med. Ralf Frönicke, Ärztlicher Leiter des Instituts für ästhetische Medizin in München:

Was ist eine Kapselfibrose?

Dr. Frönicke: „Nach einer Brustvergrößerung bildet sich um das Implantat eine bindegewebige Kapsel. Dies ist ein normaler Vorgang. Diese Kapsel hält das Implantat in ihrer Form. Eine Kapselfibrose ist eine bindegewebige Verdickung der Kapsel. Sie ist eine der häufigsten Komplikationen bei einer Brustvergrößerung.“

Wie spürt man eine Kapselfibrose?

Dr. Frönicke: „Man spürt im Anfangsstadium meist nur eine leichte Verhärtung, die, wenn sie nicht behoben wird, zu einer festen Umkapselung des Implantats führt. Die Kapsel kann sich zusammenziehen und dadurch eine Formveränderung verursachen, was zusätzlich zu Schmerzen führen kann.“

Wann tritt eine Kapselfibrose am häufigsten auf?

Dr. Frönicke: „Die Ursachen einer Kapselfibrose werden in der Implantatwahl gesehen. Feintexturierte Oberflächen scheinen am wenigsten Kapselkontrakturen zu verursachen. Eine weitere Ursache scheint die OP-Technik zu sein. Es sollte sehr blutarm operiert werden. Billigimplantate, die Silikon austreten lassen, erhöhen die Kapselfibroserate ebenfalls.“

Wie verhalte ich mich bei einer Kapselfibrose?

Dr. Frönicke: „Die Schwere der Kapselfibrose wird in mehrere Stadien eingeteilt (Baker-Stadien). Bei dem Verdacht einer Kapselfibrose sollte sofort der Facharzt aufgesucht werden. Obwohl sie selten vorkommt, sollte eine bösartige Veränderung ausgeschlossen werden. Im Frühstadium reicht ein Implantatwechsel mit Entfernung der Kapsel bzw. Einschneiden der Kapsel. Je früher der Eingriff geschieht, umso besser ist ein gutes kosmetisches Ergebnis zu erzielen. Die Behandlung einer Kapselfibrose sollte dem Spezialisten überlassen werden.“
 
Über Dr. med Ralf Frönicke:

Abbildung Dr med Ralf Frönicke Nach der Facharztausbildung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe erweiterte Dr. med. Ralf Frönicke sein operatives Wissen im Bereich der ästhetischen Chirurgie in einigen namhaften Kliniken – unter anderem in der Mayo Klinik in den USA. In den 90er Jahren gründete er eines der ersten Institute für Fettabsaugung. Außerdem ist Dr. Frönicke Vorsitzender des Münchener Arbeitskreis für ästhetische Chirurgie. Derzeit ist er Ärztlicher Leiter des Instituts für Ästhetische Medizin München.

 

Sie haben Fragen zu Brustvergrößerungen? Oder Sie möchten mehr darüber wissen, wie Kapselfibrosen vermieden werden können? Dann rufen Sie uns an. Wir beraten Sie gern – diskret, unverbindlich und kostenfrei.

Telefon: 0800 200 50 60

[1] Gödtel, R.: Die Brust: Signal, Symbol, Organ. Springer-Verlag, 2013.

[2] Scuderi, N., Toth, B. A.: International Textbook of Aesthetic Surgery. Springer, 2016.

[3] Berger, A., Hierner, R.: Plastische Chirurgie: Mamma. Stamm. Genitale. Springer Science & Business Media, 2006.

[4] Kroll, S. S.: Breast Reconstruction with Autologous Tissue: Art and Artistry. Springer Science & Business Media, 2006.

[5] Mang, W. L.: Tipps und Tricks für den ästhetisch-plastischen Chirurgen: Problemlösungen von A – Z. Springer-Verlag, 2007.

[6] Urban, C., Rietjens, M., El-Tamer, M., Sacchini, V. S.: Oncoplastic and Reconstructive Breast Surgery. Springer, 2019.

[7] Uhl, B.: OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe: Alles für den OP und die Station. Georg Thieme Verlag, 2012.

[8] https://www.dgaepc.de/aesthetisch-plastische-chirurgie/brust/brustvergroesserung/


bing tracking pixel